100 Jahre Frauenwahlrecht: Netzwerkmesse „Frauen in Südwestfalen“

Von links: Hildegund Hennrichs, WDR-Moderatorin Anne Willmes, Sibille Niklas und Jutta Hecken-Defeld

Auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts gibt es noch viel zu tun in Sachen Gleichberechtigung, so klang das Fazit der Organisatorinnen, Redner*innen, Aussteller*innen und Besucher*innen der Netzwerkmesse „Frauen in Südwestfalen“ in der Stadthalle Olpe. Daran beteiligte sich auch die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) der SPD Wenden.

Am Infostand machten die Parteivorsitzende Jutta Hecken-Defeld, die AsF-Vorsitzende Hildegund Hennrichs und Ratsfrau der SPD Wenden, Sibille Niklas mit einer Postkarten- und Plakataktion auf Themenfelder aufmerksam, wo es Handlungsbedarf in Gleichstellungsfragen gibt und mit welchen Problemen Frauen sich heute auseinandersetzen müssen. Zudem stellten sie anhand einer Power-Point-Präsentation „Die Mütter des Grundgesetzes“ vor. Es handelt sich dabei um Helene Wessel (Zentrumspartei), Helene Weber (CDU), Frieda Nadig (SPD) und Elisabeth Selbert (SPD). Ihnen ist der Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes zu verdanken: „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“. Die Präsentation gibt zudem einen guten Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Frauenrechte in Deutschland und ist als Bilderausstellung noch bis zum 31. Januar 2019 im Museum der Wendener Hütte zu sehen.

Dr. Bärbel Röben, ver.di-Gewerkschafterin und Mitglied im Vorstand des DGB-Kreisverband Olpe, stellte die Gleichstellungsberichte der Bundesregierung aus den Jahren 2011 und 2017 vor. Sie lieferte Zahlen, Daten und Fakten dafür, dass Frauen vor allem auf dem Arbeitsmarkt immer noch deutlich schlechter gestellt sind. Auch wenn Frauen in Vollzeit arbeiten, klafft bundesweit unverändert die Entgeltlücke von 21 Prozent zwischen den Geschlechtern. Die Rentenlücke summiert sich dann sogar auf 53 Prozent. Immer noch wird gleichwertige Arbeit oft genug unterschiedlich bezahlt. 87 Prozent der Frauen im Kreis Olpe arbeiten in Teilzeit. 62 Prozent davon sind zwischen 25 und 55 Jahre alt. Nur rund 40 Prozent der erwerbstätigen Frauen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Zahlen, die unter dem Bundesdurchschnitt liegen und die belegen, dass Frauen im Kreis Olpe wenig Geld verdienen und im Alter und/oder als Alleinerziehende besonders davon bedroht sind, unter prekären Bedingungen leben zu müssen. Das Resümee von Dr. Bärbel Röben: „Die Realität ist immer noch weit entfernt von einer ausbalancierten Rollenverteilung, weil noch immer der Mann in der Rolle des Geldverdieners gesehen wird und die Frau in der Rolle der Erzieherin und Pflegerin, die zugunsten der Familie bei der Karriere zurücksteckt.“

Auch Frauen muss ein selbstbestimmtes Leben in wirtschaftlicher Unabhängigkeit ermöglicht werden. Dazu bedarf es gesetzlicher Regelungen – etwa zur geschlechtergerechten Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes und des Steuersystems. Wozu z. B. der Auslauf der steuerlichen Regelungen zum Ehegattensplitting gehört, denn es bevorzugt Haushalte, in denen ein Partner/eine Partnerin weniger oder gar nicht arbeitet und verfestigt ein längst überwundenes Familienbild, nämlich das der Hausfrauen- bzw. Versorgerehe, anstatt das Ideal einer eigenständigen wirtschaftlichen Existenz beider Partner/innen zu fördern.

Selbst nach 100 Jahren Frauenwahlrecht sei das deutsche Parlament mit knapp 31 Prozent Frauenanteil so männlich wie seit 20 Jahren nicht mehr, sagte die ehemalige Bundestagspräsidentin und Familienministerin Prof. Dr. Rita Süssmuth in ihrer Rede bei der Netzwerkmesse. Noch geringer sei der Anteil in den Kreisverwaltungen und Stadträten – und speziell an der Spitze von Städten und Gemeinden. Nur 49 von 327 Bürgermeisterämtern in NRW hätten Frauen inne. „Demokratie ohne Frauen ist keine Demokratie!“ Sie appellierte mehrfach an das überwiegend weibliche Publikum, sich aktiv und mutig für Gleichberechtigung zu engagieren und sich miteinander zu vernetzen. So sei schließlich auch das Frauenwahlrecht in Deutschland erkämpft worden „Wir können viel erreichen, wenn wir uns zusammenschließen“, so Rita Süssmuth. Sie kritisierte, dass noch heute viele Männer von Frauen den Einsatz im Ehrenamt verlangten. Wenn dieselben Frauen aber dieselbe Zeit im Erwerbsleben einsetzten, seien sie plötzlich Rabenmütter.

Am Nachmittag schloss sich eine Podiumsdiskussion an. Unter der Moderation von Anne Willmes stellten sich Schwester Mediatrix Nies von den Olper Franziskanerinnen, Ex-„Femen“-Aktivistin Zana Ramadani, Autorin Dr. Uta Stiersdorfer und Josefine Paul, frauenpolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion den Fragen zur Altersarmut bei Frauen. Workshops zu Themen wie etwa „Selbstbewusst Ziele erreichen“ oder „Konflikte erkennen und souverän lösen“ rundeten den Rahmen der Netzwerkmesse ab.

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