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  • Olpe, 04. Mai 2017

Menschen sollen bleiben wie Sie sind. Wir helfen dabei!

Betreuungsangebot des KSD mit großen wirtschaftlichen Problemen
Justizminister Thomas Kutschaty besucht mit Genossinnen und Genossen den Katholischen Sozialdienst in Olpe

Um sich einen Einblick in die Arbeit des Katholischen Sozialdienstes Olpe (KSD) zu verschaffen, besuchte der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty die Kreisstadt Olpe. Begleitet wurde er dabei von SPD-Landtagskandidat Wolfgang Langenohl sowie weiteren Genossinnen und Genossen aus dem Kreis Olpe, darunter der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Olpe, Wolfgang Wigger und die stv. Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes, Jutta Hecken-Defeld. Besonderes Interesse fand das Anti-Aggressivitätstraining des KSD, das bei Jugendrichtern und mit Jugendstrafsachen befassten Staatsanwälten auf breite Zustimmung trifft.

Begrüßt wurden sie vom Geschäftsführer des KSD Olpe, Albert Hasenau und seinen beiden Teamkollegen Johann-Jost Völker und Daniel Schulte. Minister Kutschaty erwies sich als versierter Gesprächspartner. Ihm wurde die Querschnittsarbeit des KSD vorgestellt, der ein Zusammenschluss der anerkannten Betreuungsvereine SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) und des SkM (Sozialdienst katholischer Männer) ist.

„Menschen sollen bleiben wie sie sind. Wir helfen dabei.“ Anders als bei therapeutischer Unterstützung in der Jugendhilfe, die Menschen verändern wolle, erklärte Albert Hasenau den Ansatz der Betreuungsarbeit. Zu unterscheiden ist zwischen ehrenamtlichen Betreuern, die eine Aufwandsentschädigung erhalten und Berufsbetreuern, deren Stundenkontingente pro Betreuungsfall pauschaliert sind. Die Höhe der Vergütung richtet sich nach der beruflichen Qualifizierung. Durch das nicht mehr ausreichende Finanzierungssystem seien Betreuungsvereine in ihrer Existenz gefährdet.

Es gäbe dringenden Reformbedarf, wenn nicht Vereine wie der KSD buchstäblich „über die Wupper“ gehen sollten. Unter der finanziell angespannten Situation leide nicht nur die ehrenamtliche Struktur, sondern auch hauptamtliche, junge Mitarbeiter würden ausgepresst. Der Betreuungsbereich wachse immens. Was die Betreuerstruktur und die Stundenkontingente angehe, hätten sich die Voraussetzungen, unter der er und seine Mitarbeiter ihre Arbeit verrichten, bereits seit einigen Jahren völlig verändert. Ihnen würden heftigste Fälle von jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen zugewiesen, was einen hohen Druck für seine Mitarbeiter bedeute. Doch er könne nicht jedes Jahr die Fallzahlen höher schrauben um wirtschaftlich noch irgendwie „über die Runden“ zu kommen.

Minister Kutschaty sah viele Berührungspunkte zur Justiz. 2 Mio. Vorsorgevollmachten seien inzwischen bei der Bundesnotarkammer registriert. „Schwierige Fälle geben die Richter gerne Ihnen.“ Betreuungsvereine wie unter dem Dach des KSD, seien ein wichtiger Baustein neben der ehrenamtlichen Struktur. Wenige Verbände seien so breit aufgestellt. Dafür ging sein Dank an die Mitarbeiter, „weil so eine Arbeit mit staatlichem Personal gar nicht geleistet werden kann“. Er versprach, sich für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation einzusetzen. Eine Erhöhung der Vereinsförderung sei bereits auf den Weg gebracht, die ganz gezielt stärken solle, aber das sei „klar noch nicht das Ende der Aufgabe“, so Kutschaty. Es müsse geprüft werden, welche Stellschrauben noch verändert werden müssten und ob die Pauschalierung für die schwierigen Fälle noch passe. Früher seien mehr Ehrenamtliche in der Betreuung im Einsatz gewesen. Heute erfolge jede zweite Betreuung durch einen Profi.

„Seien Sie in der Politik bitte so schnell, dass nicht zu viele Betreuungsvereine aufgeben müssen“, so die Bitte von Albert Hasenau. Er hält die Erhöhung der Pro-Kopf-Prämie für nicht mehr als eine „verlängerte Sterbehilfe“ für die Betreuungsorganisationen. Kutschaty verwies auf eine Untersuchung des Bundesministeriums bezüglich einer Einigung zur Vergütungsanpassung. „Wenn die Ergebnisse dieser Untersuchung vorliegen wird es hoffentlich möglich, eine vernünftige Anpassung zu machen.“

Zu 200 rechtlichen Betreuungen, die der KSD jährlich übernimmt, kommen rund 70 ehrenamtliche Betreuer, für die der KSD erste Anlaufstelle ist. Es gibt offene Sprechstunden in Olpe und Lennestadt zu Vorsorgevollmachten oder Veranstaltungen für neue Betreuer. Zudem informiert der Verein auch in anderen Organisationen und Vereinen. „Die Nachfrage ebbt jetzt etwas ab“, so Albert Hasenau. Die Menschen seien besser informiert als noch vor einigen Jahren.

Dipl.-Sozialpädagoge Johann-Jost Völker stellte das sechsmonatige Aggressivitätstraining mit Straftätern in der JVA Attendorn in Gruppen von 5 – 8 Teilnehmern vor. In der Regel nähmen hafterfahrene und Verurteilte für Körperverletzungsdelikte bis hin zu Mord an diesem Training teil. Aktuell seien es zu 95 Prozent junge Männer im durchschnittlichen Alter von 30 Jahren und mit bereits zehnjähriger Hafterfahrung. „Ich achte den Täter, aber ich ächte die Tat“, so Johann-Jost Völker. Die Teilnehmer müssen lernen Provokationen auszuhalten. Der Schlüssel, dass sich etwas in den Köpfen ändert, sei der Zugang zu den Menschen.

Das sei „motivierender Behandlungsvollzug“, den er begrüße, erklärte der Justizminister. „Täterarbeit ist auch Opferschutz.“ Das Angebot sei ein großer Beitrag zur Sicherheit und nicht nur für die Rückführung in den Beruf.

Neu im Angebot des KSD ist die Krisen- und Gewaltberatung für Männer. Sie liegt in den Händen von Dipl.-Sozialarbeiter Daniel Schulte. Bisherige Beratungsangebote richteten sich meist an Frauen und würden auch von ihnen gemacht. Männer hätten da noch viel Nachholbedarf, aber sie bräuchten andere Zugänge. Oft gehe es um häusliche Gewalt. „Wenn Männer verstehen, es kommt nicht einfach über mich, sondern es ist meine Entscheidung, ob ich Gewalt anwende, dann tritt Veränderung ein“, erklärt Daniel Schulte. Das Ganze soll sich langfristig als Präventivangebot etablieren, das Männer in Anspruch nehmen können, noch bevor sie ausrasten und zuschlagen.

Öffentliche Zuschüsse gibt es für diese Maßnahmen jedoch nicht. Man sei angewiesen auf Bußgelder und Geldauflagen der Justiz und auf Spenden. „Es fehlt eine Festfinanzierung. Geld aus dem ‚globalen Zuschuss‘ geht jetzt befristet in diese Projekte“, so Geschäftsführer Albert Hasenau. Wolfgang Langenohl versprach, sich auch als Landtagsabgeordneter weiterhin für die Belange des Katholischen Sozialdienstes einzusetzen.

Das Land NRW zahlt 200 Mio. Euro für die Betreuung. Das sei fast der größte Ausgabenblock im Landeshaushalt, so Kutschaty. Auf Kutschatys‘ Frage, wie viel der Kreis Olpe beisteuere, informierte Hasenau: „2500 Euro pro Jahr und Verein.“ Olpes SPD-Vorsitzender Wolfgang Wigger: „Ich bin erschrocken, dass der Kreis in diesem Bereich nicht mehr tut.“ In Anbetracht der vielfältigen zu leistenden Aufgaben wollen die Kommunalpolitiker das Problem an die SPD-Kreistagsfraktion herantragen, um sich für eine Verbesserung der finanziellen Mittel einzusetzen.